Positionen
1. “Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen”, deshalb sind die Jusos Eppelheim auch weiterhin gegen Studiengebühren. Im Land der Dichter und Denker, in dem der einzige Rohstoff aus klugen Köpfen besteht, brauchen wir nicht nur die, die sich aufgrund reicher Eltern ein Studium leisten können, sondern so viele wie möglich.
Junge Menschen aus kinderreichen und sozialschwachen Familien können sich Studiengebühren von 500€ pro Semester nicht leisten und sind daher gezwungen entweder einen Kredit mit einem Zinssatz von 7% aufzunehmen oder auf ein Studium zu verzichten. Neben der Abschaffung der Studiengebühren fordern die Jusos die Erhöhung und den Ausbau des Bafögs.
2. Jedes Jahr erleben wir das Gleiche: Mehrere tausend (deutschlandweit im Jahr 2006 ca. 50.000) Jugendliche stehen ohne Ausbildungsplatz da. Und dies trotz des Ausbildungspakts. Daher brauchen wir neue Instrumente um die Lage auf dem Ausbildungsmarkt zu verbessern. Dazu eignet sich auch eine Ausbildungsplatzumlage. Dabei müssen die Betriebe, die nicht ausbilden, obwohl sie es könnten, an die Betriebe , die ausbilden eine Umlage zahlen. Dies würde die Unternehmen deutlich mehr motivieren Ausbildungsplätze zu schaffen, als es eine einfache Unterstützung kann, wie vom Staat vorgesehen ist.
3. In Zeiten steigender Mineralölpreise fordern die Jusos einen konsequenten Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs. Der ÖPNV soll durch ein ausgeweitetes Netz, kürzeren Taktzeiten und einer attraktiven Preisstruktur eine Alternative zur Individualmobilität darstellen. Dieser Ausbau ist nach Ansicht der Jusos Eppelheim nicht nur ökonomisch sinnvoll, sondern auch ökologisch.
Städte und Gemeinden, die weit außerhalb von Mannheim und Heidelberg liegen, sollen besser an das Netz angebunden werden. Hier fordern die Jusos auch eine nächtliche Anbindung damit die dortige Bevölkerung am kulturellen Leben in den Oberzentren teilnehmen kann. Darüber hinaus muss eine ICE Anbindung an Mannheim unbedingt erhalten bleiben.
4. “Eine unbequeme Wahrheit” sind die verheerenden Folgen des Klimawandels. Die Jusos setzen sich deshalb für eine nachhaltige Klimaschutzpolitik ein.
Der Bau von Atomkraftwerken oder der Betrieb alter Atomkraftwerke ist keine Alternative, weil Uran ein endlicher Brennstoff und die Lagerung von Atommüll bis heute ungeklärt ist. Stattdessen fordern wir einen Energiemix aus regenerativen Energien und konventionellen Energiequellen mit dem mittel- bis langfristigen Ziel komplett auf erneuerbare Energiequellen zu setzen. Neben den bekannten Solar- und Windanlagen sehen wir in der Nutzung der Geothermie im Oberrheingraben eine sehr gute Möglichkeit zur Energiegewinnung. Weiter sehen die Jusos ein großes CO2 Einsparpotential in der Erhöhung der Energieeffizienz, z.B. bei Kraftfahrzeugen.
5. Für junge Familien ist es heute wichtig, dass beide Elternteile die Möglichkeit haben sich beruflich zu verwirklichen. Dies ist zum einen aus finanzieller Sicht notwendig, aber auch weil es für viele Frauen nach einer langen Kindererziehungspause nur noch schwer möglich ist den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu finden. Daher gilt: Wer Gleichberechtigung der Geschlechter will, muss auch für mehr bezahlbare Krippenplätze sein. Bei der Finanzierung dürfen die Kommunen von Bund und Ländern nicht allein gelassen werden.
6. Wer vollzeitbeschäftigt ist, muss von seiner Arbeit leben können. Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer leben trotz einer Vollzeitbeschäftigung in Armut. Dieser Zustand ist für uns nicht hinnehmbar. Daher brauchen wir in Deutschland, wie in fast allen Ländern in Europa, eine Lohnuntergrenze in Form eines flächendeckenden branchenübergreifenden Mindestlohns in Höhe von 7,50 €. Der Mindestlohn muss nach seiner Einführung regelmäßig von einer unabhängigen Kommission so angepasst werden, dass auch in Zukunft niemand, der arbeitet, in Armut leben muss.
7. Die Jusos Eppelheim stehen für Toleranz und Akzeptanz aller.
Kein Mensch darf aufgrund seiner Abstammung, Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, Behinderung, Religion, Weltanschauung oder sexuellen Orientierung verurteilt oder diskriminiert werden.
Wir verurteilen jegliche Nationalistischen Tendenzen und fordern einen scharfen und kritischeren Umgang mit der NPD, den Republikanern und der DVU sowie den überparteilichen rechtsextremen Kameradschaften und Verbänden wie beispielsweise dem NPD-nahen „Aktionsbüro Rhein-Neckar“. Da einige Studentenverbindungen und Burschenschaften Kontakte in rechtsextreme Kreise haben, sind diese kritisch zu Hinterfragen.
Den Versuch, geschichtliche Wahrheiten umzukehren, wie im Fall Oettinger/ Filbinger, halten wir für eine verabscheuungswürdige Beleidigung nicht nur der Opfer des Nationalsozialismus.
Leider wird von Seiten des Staates nicht konsequent und umfassend genug gegen das Problem Rechtsextremismus vorgegangen, wir fordern die Bereitstellung zusätzlicher Gelder zur Aufklärung und zum Schutz der Jugend vor der „braunen Brut“.
Außerdem fordern wir die Thematisierung der Gefahren, die die rechte Szene birgt, in den Schulen und Universitäten. Lehrer, Polizisten und die Justizbeamte sollten umfassende Weiterbildungsprogramme besuchen, in welchen sie verstärkt auf die antidemokratischen Kräfte, Strukturen und deren Gefahren aufmerksam gemacht werden die der rechtsextremen Szene eigen sind.
8. Die Jusos stehen für ein Bildungssystem in dem soziale Herkunft und aktuelles Milieu nicht über die Zukunftschancen der Menschen entscheiden dürfen. Daher fordern wir als Erfolgsmodell die ganztägige Gesamtschule, mit der Möglichkeit im Anschluss das Abitur abzulegen. So profitieren die schwächeren von den besseren Schülern und niemand wird zurückgelassen. Außerdem müssen unsere Schulen ihre Schülerinnen und Schüler individueller fördern, was die Wichtigkeit der Ganztagesschule unterstreicht. Ein „sitzen bleiben“ aus der pädagogischen Mottenkiste wird dann nicht mehr benötigt.
Das achtjährige Gymnasium hingegen halten wir für einen unüberlegten Fehlschuss der derzeitigen Landesregierung, der abzulehnen ist. Abgesehen von der immensen Mehrbelastung der Schüler, welche einer kindgerechten Freizeitgestaltung völlig zuwiderläuft, hat die Einführung des achtjährigen Gymnasiums für den „doppelten“ Abschlussjahrgang 2012 unabsehbare Folgen auf dem Studien- und Ausbildungsplatzmarkt, der bislang leider nicht in den Planungen berücksichtigt wird und deshalb zu einer weiteren Anspannung auf dem ohnehin schwierigen Ausbildungsplatzmarkt führen wird.